Leitartikel (Editorial) März 2007:
Liebe Leserinnen und Leser in
Gustav-Adolf und Charlottenburg-
Nord!
DANKEN UND FORSCHEN
Zwei Worte nach meinem Herzen:
Im Sommer 54 oder 55 n. Chr. schreibt
der Apostel Paulus aus dem Gefängnis
in Ephesus an die Gemeinde in Philippi
in Mazedonien: “Ich danke meinem
Gott, immer wenn ich an euch denke”
(Philipper 1,3)
Nichts anderes möchte ich im Februar
2007 von meinem Schreibtisch in der
Fabriciusstraße 31 aus der Gemeinde
zwischen Tegeler Weg und Goslarer Ufer
im Charlottenburger Spreebogen
schreiben:
Ich danke für alle in den Wohnungen
und Gärten, in den Geschäften, auf den
Straßen im Bereich unserer Gemeinde,
die mir unsern nicht weit bekannten, aber
so vielfältigen Kiez auf der Charlottenburger
Insel lieb, vertraut und zur
Heimat gemacht haben.
Ich danke für alle, die mir vertrauensvoll
ihr Herz geöffnet und ihre Lebenserfahrungen
mit mir geteilt haben. Ihre
Geschichten sind ein großer Schatz, der
schwerer wiegt und sich leichter mitnehmen
lässt als alle Bücherkisten.
Ich danke für alle, die mit Freude und
Treue, neugierig oder nachdenklich unsere
Gottesdienste mitgefeiert haben, offen,
sich auf mir Liebgewordenes oder
Neues, Unfertiges einzulassen.
Ich danke für alle, die dem Reichtum
und dem Trost unserer Musik und unserer
Lieder weiten Raum gegeben haben.
Ich danke für alle Kinder, bei denen
ich immer wieder gelernt habe, wie lebensnah
die biblischen Geschichten sind,
wie unmittelbar sie berühren, wie wahrhaftig
sie Ängste aufnehmen und spontane
Erleichterung und Freude freisetzen.
Ich danke für alle im Gemeindekirchenrat,
die nicht zuerst kleinlich, geizig,
gewinnsüchtig gerechnet haben:
Was springt für die Gemeinde dabei heraus?,
sondern mit allen Kräften, viel
Verständnis und Hilfsbereitschaft unser
Gemeindehaus so offen wie möglich
hielten, im Kleinen großzügig entschieden
und Gustav-Adolf zu einer gastfreien
Gemeinde werden ließen.
Ich danke für alle, die bereit waren,
bei uns, mit uns von der Hand in den
Mund zu leben, zu improvisieren, mit
dem, was da ist, zufrieden zu sein, und
aus dem Vorhandenen, Vorgefundenen
etwas zu machen.
Ich danke für alle, die sich bitten ließen,
mit Hand anzulegen, mit ihren Gaben
und ihrem Können auszuhelfen und
voll guten Willens zur Stelle zu sein, wo
sie gebraucht wurden.
Ich danke für alle, die nicht gespart
sondern geteilt, mit ihren Kollekten und
großherzigen Spenden vieles über die
Jahre möglich gemacht und am Leben
erhalten, mit ihren Erntegaben die Kirche
geschmückt haben, dass es eine Lust
war, und Woche für Woche den Korb
für Nachtcafé und Suppenküche wie
durch Zauberhand füllten.
Ich danke für alle, die sich um ihre
Nachbarinnen und Nachbarn kümmern.
Wenn ich morgens gesehen habe, wie
einer mit seiner kranken Nachbarin am
Arm Schritt für Schritt zum Laden um
die Ecke ging, dann konnte der Tag
nicht ganz schlecht werden.
Ich danke für alle, die bereit waren,
zwischen unseren Gemeinden “Brücken
über den Kanal zu schlagen!”, für alle
gegenseitige aufmerksame Wahrnehmung,
Gastfreundschaft, Zusammenarbeit
und Aushilfe.
Ich danke für alle, deren Echo und
Fragen, deren Grüße und Zeichen des
Gedenkens und Wohlwollens, deren
freundliche Worte und Blicke für mich
wie Vitamine waren, wie “grüne Auen”
und “frisches Wasser“.
Unter den 7591 Tagen in 21 Jahren
gab es keinen, an dem es in unserer Gemeinde
für mich nichts zu danken gab.
Dankbar bin ich im Nachhinein besonders
auch für das nicht nachlassende,
beharrliche Interesse, gemeinsam in
der Bibel zu lesen.
Das bringt mich zu dem anderen Wort
nach meinem Herzen, das ich Ihnen und
Euch ans Herz legen möchte:
“Forscht im Buch Gottes und lest darin!”
(Jesaja 34,16)
Genauer: Durchforscht die biblischen
Schriften, forscht aus ihm, dem unausforschlichen,
weil unerschöpflichen
Buch Gottes! Lest es miteinander, lest
es laut vor! Forscht darin, weil es
glaubwürdig von allem erzählt, was zu
unserm Leben gehört, aber so, dass uns
dabei Hören und Sehen und die Hoffnung
nicht vergehen. Sucht darin nach
Wegweisung und Leitfäden, nach den
Fragen, auf die es ankommt, nach Maßstäben
und Prioritäten, nach erlösenden
Worten, nach Antrieb und Trost, nach
Weite und Geborgenheit, nach dem Leben
“in der Freiheit der Kinder Gottes”!
Für die Kirche, für unsere Gemeinde
gibt es keine notwendigere, belebendere,
zukunftsträchtigere Lektüre als das
“Buch Gottes”.

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