Brückenschlag online

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Betrachtungen im Dezember 2005/Januar 2006:



Artikel 1:

Bischof Wolfgang Huber zur Jahreslosung 2006

Gott spricht:
Ich lasse dich nicht fallen
und verlasse dich nicht.

Josua 1,5b

Bischof HuberBischof Dr. Martin Huber,
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Was für eine Verheißung. Was für eine Hoffnung. Vierzig Jahre Wanderung liegen hinter dem Gottesvolk. Die Menschen haben Gottes Bewahrung und Begleitung erfahren: in der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, in der Offenbarung von Gottes Wegweisungen am Sinai, in der Speisung mit dem Himmelsbrot. Diejenigen, die nun am Ufer des Jordan stehen, können auf ihre Geschichte mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zurückblicken. Sie wissen, dass Gott bewahrt. Und sie spüren doch Unsicherheit beim Durchschreiten des Flusses.

Ähnlich geht es uns im Blick auf ein neues Jahr. Was wird es bringen: Glück oder Sorgen, Freude oder Angst? Es ist ein guter Brauch, ein neues Jahr unter ein biblisches Wort zu stellen. An dieser Schwelle zur Zukunft tut Vergewisserung not. Josua erhält vor seinem Aufbruch den Zuspruch Gottes: „Wie ich mit Mose war, will ich auch mit dir sein. Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“



Artikel 2:
zum Monatsspruch Dezember 2005

Gott spricht:
Für euch aber,
die ihr meinen
Namen fürchtet,
wird die Sonne
der Gerechtigkeit
aufgehen,
und ihre Flügel bringen Heilung.


Maleachi 3,20

Welch eine Verheißung! Welch eine Hoffnung!

Aller Alltagsärger, alle Anstrengung vergessen, wenn die Sonne aufgeht! Die langen Winternächte werden durch den Monatsspruch für Dezember erhellt: „Gott spricht: Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung“ (Maleachi 3,20).

Aber: Gehöre ich dazu? Bin ich bei denen, die seinen „Namen fürchten“? Achte ich den Namen Gottes?

Der Prophet geht mit allen ins Gericht, die scheinheilig tun. Die Gott wohl ihre Opfer bringen, aber doch immer ein bisschen schummeln. Sie bringen unreine, also kranke Tiere zum Opferaltar. Es gefällt Gott nicht, betrogen zu werden. Auch wenn diese meinen, dass das doch eigentlich gar nicht so schlimm sei.

Gottes Namen achten heißt, seine Gebote halten. Und im Prinzip versucht das doch jeder. Auch wenn man hier und da ein bisschen schummelt. Jemanden anderen zum eigenen Vorteil übers Ohr hauen. Nicht so schlimm, dass er wirklich Schaden nähme. Nur ein bisschen eben. Aber selbst ein bisschen gefällt Gott nicht.

Vergibt mir Gott meine kleinen – und manchmal doch auch großen – Schwächen nicht? Gehöre ich nicht dazu? Wird die Sonne der Gerechtigkeit nicht scheinen für mich?

Weihnachten steht vor der Tür. Da ist ein Stern aufgegangen. Ein Kind geboren. Das hat die Welt verändert. Das hat mich verändert und mich mit hinein genommen in den Kreis der Auserwählten. Da geht die Sonne auf! Da darf ich fröhlich sein! Gott wendet sich mir zu.

Welch eine Verheißung! Welch eine Hoffnung!

Dietlind Steinhöfel



Artikel 3:

EPIPHANIAS -

DIE ÄLTERE SCHWESTER DES WEIHNACHTSFESTES

Epiphanias? Nur wenigen Menschen heute ist dieser Begriff geläufig. Dabei bezeichnet er das älteste Fest der Christenheit: Am 6. Januar feiert die Kirche das "Fest der Erscheinung des Herrn" (griechisch "epiphaneia tou kyriou" = Erscheinung des Herrn). Bekannt ist der Tag bei uns als "Dreikönigstag". Aber das Fest hat eine viel weitere Bedeutung. An ihm wird gefeiert, dass Gott in Jesus Christus wirklich als Mensch unter Menschen erschienen ist.

In der Zeit des frühen Christentums – man glaubt es kaum – gab es kein Weihnachtsfest. Mehr als 200 Jahre lang gab es wohl keinen besonderen Festtag, an dem die Geburt Christi gefeiert wurde. Erst gegen 300 kam dann im Osten des Römischen Reiches zuerst das Epiphanias- Fest auf. An ihm wurde gleichzeitig an verschiedene Ereignisse gedacht, in denen die Bedeutung Jesu aufleuchtete: Die Geburt in Bethlehem (Lk 2), die Taufe Jesu im Jordan, als die göttliche Stimme sagte: "Das ist mein lieber Sohn" (Mt 3,13-17), das erste Wunder, das Jesus tat (Weinwunder zu Kana; Joh 2,1-11) und zuletzt auch die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor (Mtt 17,1-13). Das Epiphanias-Fest verbreitete sich schnell in der ganzen Kirche. Aber im Westen war inzwischen schon ein anderes Fest entstanden: der 25. Dezember als Tag der Geburt Jesu. So kam es sozusagen zu einer Arbeitsteilung:

Der 25. Dezember wurde zum Fest der Geburt Jesu, am 6. ging es um die anderen Erscheinungs-Geschichten. Im Westen rückte dabei mehr und mehr die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1-12) (den sogenannten Heiligen Drei Königen) in den Mittelpunkt, während im Osten hauptsächlich der Taufe Jesu gedacht wurde – die Orthodoxen feiern bis heute Epiphanias als Tauftag Jesu, als "Jordanstag".

Bei uns also ist der 6. Januar der Tag der "Heiligen Drei Könige", dieser Magier aus dem Osten, die als erste "Heiden" das Licht sahen, das mit Jesus in die Welt gekommen war. Aber auch die anderen Geschichten, die zum alten Erscheinuns-Fest gehörten, sind bei uns nicht verlorengegangen. Sie wurden auf die Sonntage nach Epiphanias verteilt: die Taufe Jesu ist Evangelium am ersten Sonntag nach Epiphanias, die Hochzeit zu Kana gehört zum 2. Sonntag, und die Verklärungsgeschichte wird am letzten Sonntag nach Epiphanias gelesen und schließt somit die weihnachtliche Festzeit ab.

Feiern Sie doch mit uns dieses altehrwürdige, die ganze Christenheit verbindende Fest am 6. Januar! (Sühne-Christi-Kirche 20 Uhr; Gustav- Adolf-Kirche 18 Uhr)

Denn:
Du bist heute der Welt erschienen
und dein Licht, o Herr, erstrahlte auf uns;
die wir dich preisen in der Erkenntnis:
Du bist gekommen und hast dich offenbart,
du unnahbares Licht.


(Festlied der Orthodoxen Kirche zu Epiphanias)
Michael Maillard


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