Leitartikel (Editorial) November 2011
Liebe Leserinnen und Leser
in
Gustav-Adolf und Charlottenburg-
Nord!
Gut ist der Herr, eine
feste Burg am Tag der
Not. Er kennt alle, die
Schutz suchen bei ihm.
Nahum 1,7 (Monatsspruch
für November)
Jetzt im Herbst machen wir es uns
gerne zu Hause gemütlich. Draußen
ist es oft nass und kalt und windig, es
wird spät hell und früh dunkel. Wie
angenehm ist es da doch, im Wohnzimmer
auf dem Sofa zu sitzen, mit
einer schönen Tasse Tee oder einem
Glas Rotwein, ein gutes Buch zu lesen
oder einen spannenden Film zu sehen.
Oder in der Küche etwas Leckeres zu
kochen. (Bei mir muss es jedes Jahr im
Herbst eine Kürbis-Suppe mit Kokosmilch
und Sahne sein!). Und Ende November,
ja, da beginnt schon die Adventszeit,
da stehen z.B. Plätzchenbacken
oder Adventskranzkerzenromantik
auf dem Programm.
Nässe, Kälte, Dunkelheit mögen
draußen bleiben. Bei uns drinnen machen
wir es uns warm und behaglich.
Unser Zuhause: ein Ort, an den wir
uns gerne zurückziehen. Hier fühlen
wir uns geborgen und sicher. My
Home is my castle, sagen die Engländer.
Mein Zuhause ist meine Burg.
Doch wie schnell kann diese „Burg“
einstürzen, wie schnell kann unsere
Sicherheit zusammenbrechen! Etwa,
wenn wir den Arbeitsplatz verlieren
oder der Partner/die Partnerin uns
verlässt. Oder wenn der Mensch, mit
dem wir lange zusammengelebt haben,
stirbt.
Ist unser Zuhause wirklich eine
"feste Burg"?
Der Monatsspruch für November,
ein Wort des Propheten Nahum, rät
uns, auf etwas anderes zu setzen.
Nicht der private Rückzugsraum, sondern
die Bindung mit Gott und den
Mitmenschen dient letztendlich unserem
Schutz, hilft uns in der Not.
"Gott ist eine feste Burg am Tag der
Not", sagt Nahum. Dieser Prophet
wirkte im 7. Jahrhundert vor Christus.
Damals war Israel nur ein kleiner
Spielball zwischen den politischen
Großmächten. Ständig war es in Gefahr
und drohte zwischen den Großmächten
zerrieben zu werden. Auf militärische
Stärke dürfe es nicht vertrauen
– so Nahum, nur Gottvertrauen
könne helfen.
Martin Luther nahm diesen Gedanken
auf. "Ein feste Burg ist unser Gott,
ein starke Wehr und Waffen", so dichtete
er 1529 (vgl. Ev. Gesangbuch Nr.
362). Am 31. Oktober, dem Reformationstag,
wird sein Lied gerne gesungen.
Ein richtiges Trutzlied ist das.
Nichts und niemand kann uns etwas
anhaben, wenn wir nur auf Gott vertrauen:
"Und wenn die Welt voll Teufel
wär’/ und wollt uns gar verschlingen,/
so fürchten wir uns nicht so
sehr,/ es soll uns doch gelingen."
(Strophe 3). Luther selbst war
ganz und gar getragen von diesem
Vertrauen, fühlte sich absolut sicher
und geborgen in dieser "Burg". So
konnte er sogar über die letzte große
Bedrohung im Leben, den eigenen
Tod, spotten. Als ihm eine infame Lügenschrift
über sein angeblich gotteslästerliches
Sterben und seine anschließende
Höllenfahrt zu Gesicht kam, da
quittierte der für tot Erklärte: Er, Martinus
Luther, bezeuge den Empfang
der Nachricht von seinem Tod und habe
sie "fast gern und fröhlich gelesen";
ja, er fühle sich dadurch "sanft auf der
rechten Kniescheibe und an der linken
Ferse" gekitzelt.
Dass wir uns eine Scheibe vom Gottvertrauen
und vom Humor unseres
großen Reformators abschneiden können,
wünscht sich und Ihnen
Ihr Michael Maillard
Foto: Michael Maillard
Monatsspruch November 2011 :
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