Kain und Abel
Tod des Demonstranten
Tod im Boxring
Tod einer Minderheit
Tod im Showbusiness
ÖKUMENISCHES GEDENKZENTRUM "CHRISTEN UND WIDERSTAND"

Der Plötzenseer Totentanz von Alfred Hrdlicka



Tafel I

Kain und Abel

Tafel II Tod im Boxring / Panel II Death in Boxing Ring Tafel I Kain und Abel / Panel I Cain and Abel Diese Brudermordgeschichte ist auch im Rahmen älterer Totentänze zu finden. Neu an Hrdlickas Figuren ist, dass sie mehr den Eindruck von etwa gleich starken Heroen als den von ungleichen Brüdern vermitteln. Beide Gestalten wirken mit urtümlicher Kraft ausgestattet und etwa gleich groß. Die Nacktheit der beiden Gestalten vor dem unwirtlichen Hintergrund trägt dazu bei, den Eindruck eines mythischen Heroenkampfes zu verstärken.


Panel I

Cain and Abel

The fratricide, the first man who kills another man.



Tafel II

Tod im Boxring

Gemeint ist nicht der heroische Kämpfer als Verkörperung männlicher Stärke, sondern gezeigt wird die Schattenseite dieser Sportart, die oft zu Verletzungen und sogar zum Tode führt. Der nahezu bewusstlose Körper des Unterlegenen wird nur noch von den Seilen am Hintüberkippen gehindert. Der Gegner schlägt ohne Rücksicht auf den lädierten Zustand des Partners weiter auf ihn ein. Der Künstler zeigt hier nicht den unvermeidbaren Tod der älteren Totentänze, sondern den vermeidbaren, weil durch Gewalteinwirkung eingetretenen, Tod auf.


Panel II

Death in Boxing Ring

The 20th century also has it's gladiators who belong to showbusiness just as the strip-dancer on panel III



Tafel III

Tod im Showbusiness

Tafel III Tod im Showbusiness / Panel III Death in Showbusiness Bei dem Bildtyp "Tod und Frau" der älteren Totentänze bemächtigt sich der Tod lustvoll-begierig der Frau, und diese nimmt mit schmerzvoll-wehmütigem Gesicht Abschied von der Welt. Hrdlicka kehrt dieses Verhältnis um, indem er die Frau nach dem Tod greifen lässt. Der Tod ist zur leblosen Puppe degradiert, mit der man obszöne Spiele treiben kann. Das Bild hat eine für die herkömmliche Totentanzdarstellung unübliche Wendung zum Dirnenbild genommen. Hrdlickas Dirne ist nicht Objekt der Begierde, sondern umgekehrt eine Person, welche diesen Status selbstbewusst karikiert und sich gleichzeitig über Tod und Zuschauer lustig macht.

Panel III

Death in Showbusiness

Death and the girl is a medieval symbol for the transiency of life and since I also found it at one of the striptease shows in Soho I have chosen it as a symbol of the sensationalism of our time.



Tafeln IV und V

Tod des Demonstranten

Tafel IV und V Tod des Demonstranten / Panel IV and V Death of the demonstrator Das Bild besteht aus zwei Szenen, die durch Überschneidungen als zusammengehörig ausgewiesen sind. Auf der ersten Tafel wird ein mit den Beinen nach oben festgehaltener Mann von zwei Männern in Uniform bedrängt. Links vom Unterlegenen holt der andere Uniformierte gerade mit hochgerissenem Arm zum Schlag mit einem Stock aus. Das völlige Fehlen von Gesichtern und das Zusammenknäueln von Figuren auf schmalem Bildfeld kennzeichnen das Geschehen als Ausdruck von rein physischer Gewalt. Das zweite Bildfeld zeigt eine szenische Anordnung vieler Figuren in die Tiefe des Raumes. Aus der Masse der Figuren fällt nur die am linken vorderen Bildrand, mit dem Rücken zum Betrachter sich entfernende Figur, durch Größe, deutliche Konturierung und das selbstbewusste Hochrecken der Tafel auf.
Auf dem Zweitafelbild "Tod des Demonstranten" wird aufgezeigt, dass "bewusstes Eintreten für neue politische und gesellschaftliche Ideen nach wie vor mit großem persönlichem Risiko verbunden ist"(Hrdlicka).


Panels IV and V

Death of the demonstrator

A romanticized hero's death should not be portrayed but rather that conscious
striving for new political and social ideas still involves great personal risks.



Tafel VI

Tod einer Minderheit

Tafel VI Tod einer Minderheit / Panel VI Death of a miniority Im Vordergrund der Tafel, am unteren Bildrand, kauert eine Gestalt, die mit den Armen ihre angezogenen Beine umgreift. Auf dem Kopf hat sie eine Platzwunde. Blut rinnt über die Stirn und die geschlossenen Augen. Eine Faust zeigt zwar noch auf den schon Toten, die dazugehörige Person aber hat sich bereits dem nächsten Opfer zugewandt, welches dunkelhäutig, nackt und aufrecht mit nach vorn gefesselten Händen am linken Bildrand steht. Diese Tafel hat Hrdlicka "der Ausrottung einer Rasse (der indianischen) gewidmet, die heute längst zur Minderheit geworden ist." Der Künstler will sich damit gegen die Gleichgültigkeit wenden, mit der man dies zur Kenntnis nimmt.


Panel VI

Death of a miniority

Dying of the Indians. Their "Final Solution" has become a matter of course for us. It is been going on for some centuries and it can be found as a romantic legend in children's book and western movies.


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