©Pfarrer Carsten Bolz: Israelsonntag vom 19.08.2001
Predigt zur Konfirmation 2002
19.05.2002, (Gemeindezentrum Plötzensee und Sühne-Christi-Kirche)
Konfirmation vom 19.05.2002
Blutnächte vom 07.09.2003
Volkstrauertag 2003
  Rundfunkgottesdienst vom 18.12.2005
  Gottesdienst mit der Diakoniestation am 30.04.2006
  Gedenkgottesdienst 20. Juli 2006
  Rundfunkgottesdienst vom 11.03.2007
  Karfreitag 2007
  Tag des offenen Denkmals vom 09.09.2007

Liebe Gemeinde,
liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden,


ein Bild haben wir euch auf den Programmzettel gedruckt: Menschen, fröhlich, feiern, tanzen - vielleicht so, wie das bei euch nachher zugehen wird: ein fröhliches Fest an diesem schönen Frühsommertag - Grund zum Feiern gibt es ja genug: ein Jahr Konfirmandenunterricht überstanden, den Abschied von der Kindheit, sagen manche; die Freude über Gottes Zusage, euch auf euren Lebenswegen zu begleiten. Das ist auch auf dem Bild zu sehen: nicht der Hund - treuer Begleiter des Menschen, der hier mit tanzt - erinnert an Gottes treue Begleitung, sondern die Taube, die Pablo Picasso über die Tanzenden gemalt hat.
Eine Taube mit einem Zweig im Schnabel: ein altes christliches Symbol, das zum Fest gehört, das wir heute feiern: Die Taube, das ist das Symbol für den Heiligen Geist, für die gute Geisteskraft Gottes, die uns Menschen für unser Leben Kraft und Ermutigung sein soll, für die Kraft, mit der Gott uns zur Seite ist. Eine Taube - Gottes guter Geist.
Pfingsten, das Fest, das wir heute feiern, das ist das Fest, an dem das in den Kirchen gefeiert wird: die Erinnerung daran, wie Gottes Geist zu den Menschen kam, wie die Jünger Jesu auf einmal begeistert wurden, Feuer und Flamme waren für die Sache Jesu, mit dem sie ein paar Jahre durch Israel gezogen waren. In der Bibel1 wird davon erzählt, wie sie in Jerusalem saßen und plötzlich ein großes Brausen vom Himmel kam und wie sie feurige Flammen sahen und auf einmal alle verschiedenen Sprachen verstehen konnten. So kam Gottes guter Geist zu den Menschen. Unvorstellbar ist das und auch unbegreifbar! Gottes guter Geist. Einer, ein Maler und Dichter aus unserer Zeit, hat versucht das mit seinen Worten zu beschreiben, was da passierte, bei der Ausgießung des Heiligen Geistes. Mir hilft ein wenig zu begreifen, was wir heute auch zu eurer Konfirmation feiern:
" ... Die Menschen haben zwar ganz viele Wörter und können auch laut schreien, einer lauter als der andere, so ist das überall in der Gegend, aber das heißt nicht, dass sie sich auch verstehen, verstehste? Sie reden und reden und reden und jeder versteht nur Bahnhof! So war das auch von den Fans von Jesus und das machte ihn da oben zur Rechten Gottes traurig. Nun stand links von Gott die Kanne mit dem heiligen Geist, das ist sozusagen ein Schnaps für Nichttrinker, und diese Kanne haben die beiden, Papa und Sohn, in eine unsichtbare Leitung gegossen, die durch alle Köpfe aller Menschen führt. Und dadurch verstand plötzlich jeder Mensch jeden Menschen. - Aber nur für einen einzigen Tag. - Denn soviel war in der Kanne nicht drin, dass man in Ewigkeit den heiligen Geist durch all die dummen Köpfe fließen lassen kann. Die Menschen sollten nun EINMAL fühlen wie's ist, wenn man sich versteht, klar?
Daran erinnert mich auch die Taube auf unserem Bild über den fröhlich tanzenden Menschen: Fühlen, wie das ist, wenn man sich versteht! Dafür will Gottes Geist uns Menschen nämlich begeistern, dafür wollten auch wir euch in dem zurückliegenden Jahr gerne begeistern: dass Ihr eine Ahnung davon bekommt, wie das ist, wenn man sich versteht, wenn man versucht mit anderen auszukommen, auch wenn sie anders aussehen, anders reden, auf eine andere Schule gehen, andere Klamotten tragen. Einmal nur für einen Augenblick vielleicht begreifen, wie das ist, wenn keiner den anderen ärgern muss, wenn alle zuhören, wo eine redet, wie das ist, wenn Menschen versuchen miteinander auszukommen, wie das ist, wenn Frie-den herrscht - in der Welt und auf unseren Schulhöfen.
Davon wollten wir euch in diesem Jahr gerne etwas sagen, und das würde ich mir wünschen, dass ihr euch dafür auch weiter begeistern lasst, dass ihr zu diesem Geist JA sagt, wenn wir euch hier nachher fragen, ob ihr getauft oder konfirmiert werden wollt.
Die Taube jedenfalls steht dafür: dass Menschen sich verstehen, ist ja sogar zum Symbol für Frieden geworden. Und diese Taube - Gottes guter Geist - wird er-dolcht, wo Butterflymesser fliegen, wo Menschen sich gegen andere stark ma-chen, andere ausnutzen und nieder machen wollen - sei es auch nur, um eigene Stärke zu demonstrieren.
Das Gute für die Leute, die von Gottes gutem Geist begeistert sind, ist nämlich, dass sie das gar nicht nötig haben: ihr habt es nicht nötig, den starken Mann oder die starke Frau zu spielen, weil ihr schon ganz stark seid; denn Gottes gute Geis-teskraft ist ja mit euch! Ihr seid tolle Typen! Gemeinsam manchmal ein bisschen unausstehlich - das will ich gerne zugeben - aber jede von euch, jeder von euch ein toller Typ, weil euch soviel gute Fähigkeiten geschenkt sind. Vielleicht merkt ihr das nicht immer, manchmal hört ihr wohl auch andere sagen, was für Idioten ihr seid - glaubt das nicht !!
Auch das will Gott durch seine Geisteskraft nämlich für uns Menschen bewirken: nicht nur, dass wir uns mit anderen verstehen, sondern auch dass wir uns mit uns selber verstehen, uns trauen, der / die zu sein, die wir sind und nicht irgendwie, wie andere meinen, wie wir sein sollten. Du darfst dich auch für dich selber begeistern und für Gottes Weg mit uns Menschen. Verliere die anderen nicht aus dem Blick und dich selber nicht:
Dazu fliegt diese Taube auch, um dich zu erinnern:
ich kann nicht dichten wie Goethe
ich kann nicht komponieren wie Mozart
ich kann nicht logisch denken wie Max Planck
ich kann nicht malen wie Picasso
ich bin nicht so stark, wie Martin Luther King
aber ich kann lachen wie ich lache
ich kann laufen wie ich laufe
ich kann denken wie ich denke
ich kann weinen wie ich weine
ich kann malen wie ich male
ich kann helfen wie ich helfe
ich bin nicht großartig
ich bin nicht berühmt
ich rage nicht heraus
aber mich gibt es nur einmal
ich bin einmalig
Gott hat mich wunderbar gemacht
Und dass das so ist, das ist ein Grund, so fröhlich zu feiern und zu tanzen, wie es auf unseren Programmzetteln zu sehen ist.

Möge Gottes Geist mit euch sein.
Amen

1 Nachzulesen in Apostelgeschichte 2
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