| ©Pfarrer Carsten Bolz: | Israelsonntag vom 19.08.2001 |
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Predigt zum am 11.03.2007, Gemeindezentrum Plötzensee im Rundfunkgottesdienst auf RBB Kulturradio |
Konfirmation vom 19.05.2002 |
| Blutnächte vom 07.09.2003 | |
| Volkstrauertag 2003 | |
| Rundfunkgottesdienst |
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| Gottesdienst mit der Diakoniestation |
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| Gedenkgottesdienst |
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| Rundfunkgottesdienst |
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| Karfreitag 2007 | |
| Tag des offenen Denkmals |
Gnade sei mit euch und Friede von dem der da ist und der da war und der kommen wird. Amen.
"Von Gott nicht mehr loskommen können, das ist die dauernde Beunruhigung jedes christlichen Lebens!"
Für mich beschreibt das genau die Blickrichtung, die auch das Leben von Helmuth-James von Moltke geprägt hat. Und sie wurde ihm quasi schon in die Wiege gelegt: Als er Anfang
Mit dieser Blickrichtung ist Moltke offenbar durch sein Leben gegangen, hat aus dieser Perspektive seine Mitarbeit im Widerstand gegen die Nationalsoziallisten verstanden. Gemeinsam mit Eugen Gerstenmaier, mit dem Jesuiten Alfred Delp und mit anderen hat er im Kreisauer Kreis eine Ordnung für ein Deutschland nach dem Krieg erdacht. Diese drei vor allem waren es, die christliche Werte als Grundlage dieser Ordnung einbrachten. Im April 1942 schreibt Moltke ((in einem Brief an einen Freund der Familie, Lionel Curtis) über seine Hoffnungen für Deutschland
Die Kreisauer vollziehen im Laufe ihrer Beratungen unter Moltkes Einfluss eine deutliche Hinwendung zur Religion. "Der sonntägliche Gottesdienst, die tägliche Lektüre biblischer Texte oder theologischer Grundschriften begleitet ihre politische Arbeit. Ihr Widerstand wurde immer mehr ein Widerstand aus dem
Das findet schließlich seinen Niederschlag auch in der Präambel der Kreisauer "Grundsätze für die Neuordnung nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft", wo es heißt: "Die Regierung des Deutschen Reiches sieht im Christentum die Grundlage für die sittliche und religiöse Erneuerung unseres Volkes, für die Überwindung von Hass und Lüge, für den Neuaufbau der europäischen
Die Grundlage und die Blickrichtung für eine politische Neuordnung ist für Moltke also klar zu beschreiben: "Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes!" und: "Meine Augen sehen stets auf den Herrn!"
Immer klarer war für Moltke auch, dass gerade darin auch der Grund für die Verfolgung ihres Denkens durch die Herrschenden lag. Ihm wurde deutlich, dass der Prozess vor dem Volksgerichtshof
Und in einem anderen Brief an seine Frau Freya schreibt Moltke: "Und dann wird dein Wirt (so bezeichnet er sich in den Briefen an seine Frau) ausersehen, als Protestant vor allem wegen seiner Freundschaft mit Katholiken attackiert und verurteilt zu werden, und dadurch steht er vor Freisler nicht als Protestant, nicht als Großgrundbesitzer, nicht als Adliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher - das alles ist ausdrücklich in der Hauptverhandlung ausgeschlossen
Auf Gott ausgerichtet, von Gott beunruhigt
"Moltke, Steltzer und ich saßen für eine Weile zusammen. Mir machte die ruhige Sicherheit Eindruck, mit der Moltke auf Steltzer und einige andere einsprach: "Machen Sie sich nichts vor" sagte er "wenn Sie das getan haben, was Sie eben berichtet haben, werden Sie gehängt!" Mit einer Ruhe, die alles andere als stoisch war, weil sie aus einer fast heiteren Gelöstheit stammte, redete er uns die weichlichen Illusionen über unser Schicksal aus und forderte uns auf, uns auf den Tod zu rüsten.
Er selber tat das auf eine vorbildliche Weise. Ohne die leiseste Selbsttäuschung über sein wahrscheinliches Ende lebte er in einer heiteren Klarheit der Seele, das leuchtendste Beispiel einer ungebeugten Haltung aus Glauben. Als Christ war er der klarste und selbstverständlichste unter uns. In ihm war noch die volle Substanz des Glaubens gegenwärtig; es gab bei ihm jene Skepsis nicht, die auch der Reifste und Gläubigste zuzeiten nur durch Kampf und Anstrengung überwindet. Bei ihm vollzog sich, was es wohl nur an der Grenze des Todes geben kann: Der Kampf lag hinter ihm, keine Wolke der Anfechtung trübte seine Glaubenszuversicht. Ich muss ihm bezeugen, dass ich ihn nur heiter und gelassen gesehen habe. Als am Tage vor seiner Hinrichtung der Wachtmeister noch einmal seine Zelle betrat mit der Nachricht: "Morgen noch einmal Vernehmung - fertigmachen!", sagte er nur mit völligem Gleichmaß der Seele: "0 ich weiß
So ging Helmuth-James von Moltke auch seinen letzten Weg offenbar mit einem klaren, vertrauensvollen Blick auf Gott. Peter Buchholz, der katholische Gefängnisseelsorger in Plötzensee, berichtete Freya von Moltke später von der Hinrichtung: Helmuth-James sei ganz gefasst, "ja mit einer inneren Heiterkeit seinen letzten Weg gegangen, fertig zum Sterben, fertig mit dem Abschied von seinen so sehr geliebten Söhnchen und von
-Meditation über "Von guten Mächten"-
Liebe Gemeinde!
Wie schon Jeremia getragen war von der Zuversicht, dass "der Herr sei wie ein starker Held, darum würden die Verfolger fallen und nicht gewinnen.", wie schon Jeremia von diesem Gott nicht los kommen konnte, so konnte es auch Helmuth-James von Moltke nicht. Dietrich Bonhoeffer hatte 1934 in der Auslegung des Abschnitts aus dem Buch Jeremia geschrieben: "Ein verlachter, für verrückt erklärter, aber für Ruhe und Frieden der Menschen äußerst gefährlicher Narr
Mit Helmuth-James von Moltke erinnern wir heute auch an einen solchen neuzeitlichen Propheten, der von Gott nicht los kam, der in seinem Leben offenbar nie
Das ist allein schon deshalb notwendig, um den damals Herrschenden nicht einen späten Sieg einzuräumen. An einer solchen Erinnerung war denen nämlich überhaupt nicht gelegen
Schon deshalb, liebe Gemeinde, ist dieser Blick zurück auch auf dem Weg in Gottes neue Welt immer wieder notwendig. Denn Menschen wie Moltke in Vergessenheit geraten zu lassen, das hieße, der Finsternis einen späten Sieg einzuräumen.
Wenn wir dann aber zurück schauen und uns "an Fuß und Pfad der Alten halten, wenn's fehlt an guten Rat"
Hier im Kirchraum des Gemeindezentrums Plötzensee wird diese Bewegung aus der Vergangenheit in die Zukunft durch die feiernde Gemeinde einzigartig beschrieben: Der Altar steht in der Mitte unserer Kirche; die Gemeinde sitzt auf allen vier Seiten um ihn herum; hinter den Bankreihen ragen die Tafeln des Plötzenseer Totentanzes auf. Es geht die Bewegung, es geht der Blick von außen nach innen. Wir kommen her von einer Vergangenheit, die durch den Totentanz exemplarisch beschrieben wird und sind unterwegs hin zu einer Zukunft, die durch den Altar in der Mitte symbolhaft angezeigt ist. Unsre Augen sehen stets auf den Herrn
Das wäre dann etwas, das wir aus der Rückschau für die Vorausschau lernen könnten: die dauernde Beunruhigung christlichen Lebens, die Bewertung unseres Alltags mit christlichen Kategorien:
dass auch wir heute nicht Friede rufen, wo Unfriede herrscht; dass wir
dass wir der Gewalt unter Jugendlichen in unserer Stadt auf den Grund gehen und nicht nur nach Bestrafung
dass wir immer wieder darauf hinweisen, dass in unserem Land die Kluft zwischen arm und reich größer wird statt kleiner
dass wir in guter ökumenischer Nachbarschaft den Blick auf Menschen wie Helmuth-James von Moltke oder Alfred Delp lebendig halten
Gewiss, es bleibt das Risiko, als Phantasten und Sturköpfe abgetan zu werden
Das Andenken an solche "Phantasten und Sturköpfe" jedenfalls wollen wir als Wegweisung bewahren, und uns auch dadurch den Blick auf Gott schärfen lassen und uns so einer dauernden Beunruhigung unseres Lebens aussetzen; denn loskommen wir werden von dieser Geschichte hinter uns - und von Gott vor uns
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne
Lit.: