"Zehn Gründe für ein gutes Leben" vom 07.10.2007 |
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"Wahrheit und Zeit" über Offenbarung 12, 10 am Vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, in der Sühne-Christi-Kirche |
"Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist" |
"Wahrheit und Zeit" |
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"Hinausgehen aus dem Lager" vom 09.03.2008 |
"Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Gesalbten; denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott."
Liebe Gemeinde,
das Zeugnis fremder Wahrnehmungen öffnet auch den eigenen Blick. Mit dem "Tagebuch des Capitains Theodor Philipp Wilhelm von Papet über den Feldzug in den Niederlanden
Der Künstler hat die "Wahrheit" und die "Zeit" in Statuengestalt dazu bestimmt, die Kanzel zu tragen. Delvaux
Dies scheint mir gerade angesichts des evangelischen Glaubensverständnisses hervorhebenswert zu sein. Der Protestantismus räumt ja dem einzelnen Gläubigen eine große Freiheit in seinen religiösen Gefühlen und Empfindungen ein. Das bedeutet aber auch: Vieles zerfließt ins Ungefähre und
Doch damit nicht genug. Der Vorwurf der intellektuellen Absonderlichkeit erstreckt sich über einzelne konkrete Vorstellungen hinaus oft auf die Religion an sich. Nach weit verbreiteter Auffassung schließt der Glaube die Bejahung von Aussagen ein, die sich mit Logik und Verstand allein nicht erfassen lassen. Wie das nun auch sein möge
Man muß in Rechnung stellen, daß Ehrfurcht und Respekt in eine falsche Bahn gelenkt werden und daß sie, in Verbindung mit bunter Phantasie, im angeblichen Dienst der Wahrheit zu groben Verfälschungen führen können. Hiervor schützt nur der Kontext, in dem die Vorstellungen und Glaubensaussagen stehen. Zwar bezeichnet der Begriff Religion zunächst die Art und Weise der Beziehung zwischen Mensch und Gott. Insofern ist sie eine Sache des frommen Einzelnen. Auf der anderen Seite aber ist dieser Einzelne ihrer immer nur im Miteinander und Zusammensein mit anderen religiösen Menschen inne, und zwar mindestens solchen, die ihn teilhaben ließen an ihrem eigenen Glauben und von deren Zeugnis er einst ausging, auch wenn ihm das später kaum mehr bewußt ist. Religion individualistisch zu denken, ist also im Grunde nicht möglich. Außerhalb und ohne solchen Zusammenhang verflüchtigt sich der Sinn eines religiösen Satzes und kann kein religiöser Geist gedeihen.
Es ist notwendig, daß man sich unablässig um die Wahrheit bemüht. Sie steht in unserem Erkennen nicht ein für alle Male fest und ist nicht schlechterdings unveränderlich da, so daß man ihrer jederzeit habhaft werden könnte. Das Glaubenszeugnis des Einzelnen setzt die Existenz der frommen Gemeinschaft voraus. Auf sie hin spricht er es aus; von ihr her kommend hat er sein Vokabular. Deshalb gilt auch: Die Wahrheit, zu der ich mich bekenne, ist diejenige Wahrheit, die mir erkennbar ist. Solange ich in der Zeit lebe, bleibt auch meine Erkenntnis der Wahrheit an die Zeit gebunden, so wie Wahrheit stets und immer nur Wahrheit in der Zeit sein kann. Unter den gegebenen Bedingungen des Daseins ist die Verknüpfung von Wahrheit und Zeit unlösbar.
Dies scheint mir der eigentliche Gegenstand zahlreicher Passagen aus der Johannes-Apokalypse zu sein und insbesondere auch der eingangs angeführten Stelle aus dem zwölften Kapitel. Es erstaunt nicht, wenn sich als Thema einer apokalyptischen Visionsschilderung gerade die Zeitlichkeit der Wahrheitserkenntnis erweist. Denn der Zusammenhang von Wahrheit und Zeit konkretisiert sich erst recht aus der imaginierten Endzeitperspektive. Alles Sein und Leben bleibt solange den Bedingungen der endlichen Beschränkung, den Verfehlungen und Verirrungen des schmerzunterworfenen Daseins ausgesetzt, bis an die Stelle der Zeit die
Es soll hinfort keine Zeit mehr sein, sondern in den Tagen, wenn der siebente Engel seine Stimme erheben und seine Posaune blasen wird, dann ist vollendet das Geheimnis Gottes, wie er es verkündigt hat seinen Knechten, den Propheten"
Das ist die ganz große apokalyptische Inszenierung. Auf diesem Theater würde aber, bei allem Aufwand, doch letztlich ein fernes, fremdes und uninteressantes Stück gegeben, wenn es nicht auch Raum böte für die Frage, welche Folgen der errungene kosmische Sieg für das Leben im Hiesigen und Wirklichen hat. Denn ohne den Menschen wäre der Geist stumm; er wäre da, aber keine Wahrheit könnte von ihm ausgehen. Die endzeitliche Gerichtsperspektive
Tatsächlich realisiert sich der Zusammenhang von Wahrheit und Zeit als Entwicklung. Keine Biographie verläuft jenseits dieses Zusammenhanges. Jedes einzelne Leben ist verknüpft und verbunden mit einer unübersehbaren Vielzahl anderer Lebensläufe und Geschehnisse, und zwar unabhängig von der speziellen Art der Beziehungen zu anderen Menschen. Unter eine endzeitliche Perspektive kann diese Verknüpft- und Verbundenheit deshalb gestellt werden, weil Urteile über die Lebensdienlichkeit der Beziehungen erst in der Zukunft gefällt werden. So sicher aber dort ein Urteil gesprochen werden wird, so gewiß ist auch, daß jede Gegenwart selbst schon eine Art Gericht darstellt, und man muß nicht auf den Teufel zurückgreifen, um dem "Verkläger" ein Antlitz zu geben.
Das Dasein ist schwierig und beschränkt. Oft ist, wenn wir den Aufgaben kaum nachkommen können, nichts anderes schuld als die bloße Unrast des Alltags, der man die Konzentration selbst noch auf die dringlichsten Pflichten förmlich abringen muß. Oft aber geht die Beschränkung auch auf das In-Sich-Kreisen zurück, das wie ein Fluch auf dem menschlichen Tun und Wollen lastet. Die
Mir scheint in sehr einfacher Gestalt diese Einsicht zu bedeuten, daß ich von dem vorgestellten Ende meines Lebens her sagen können will: Da sind Menschen, die mir etwas verdanken und für die ich wichtig war. Im Miteinandersein mit ihnen habe ich, und wenn auch nur für einen Moment, jenen Kreis durchbrechen können. Ob es sich wirklich so verhält, kann in letzter Endgültigkeit keine Zeit erweisen; solche letzte Klarheit bleibt derjenigen Zukunft vorbehalten, in der die Zeit nicht mehr
Insofern bilden die "Wahrheit" und die "Zeit" die Stützen nicht nur der Predigt, sondern sie bedingen in ihrem Ineinander auch die Wahrnehmung und das Verständnis dessen, was gehört wird. Die Einsicht in Gottes Wort und in seine gute Weisung sind Teil eines Weges, den man beschreitet; sie wächst und wandelt sich, wie auch das Leben selbst wächst und sich wandelt. Jedes Verhältnis zu Gott ist ein
Amen.
1Tagebuch für T