Über unsere Gemeinde

Allgemeines
Gemeindezentrum Nord
Gemeindezentrum Plötzensee
Die Anfänge
Sühne-Christi-Kirche
Plötzenseer Totentanz
Leitbild unserer Gemeinde
Die Gedenkmauer

Charlottenburg-Nord...

...ein Teil Berlins mit vielen Bezügen zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Hier befinden sich die heutige Gedenkstätte Plötzensee im ehemaligen Hinrichtungsschuppen und die katholische Gedenkkirche Maria Regina Martyrum. Hier tragen Straßen, Plätze und Schulen die Namen von Menschen, die dem Unrechtsregime widerstanden haben. Diesem geographischen Erinnern und geschichtlichen Gedenken fühlt sich die Evangelische Kirchengemeinde verpflichtet. Von Anfang an gab es dabei eine enge ökumenische Zusammenarbeit mit der katholischen Ortsgemeinde und den Schwestern des Klosters Regina Martyrum. Die beiden Kirchen der Gemeinde sind dem Gedenken der Opfer der Verbrechen und des Unrechts jener Zeit gewidmet. Die architektonische und künstlerische Ausgestaltung zeigt das genauso wie die Namen "Sühne-Christi-Kirche" und "Gemeindezentrum Plötzensee".



Kirche in Charlottenburg-Nord

Auf ehemaligem Laubengelände am Rande der Jungfernheide entstanden seit den 50er Jahren neue Wohnsiedlungen. Die Gemeinde in Charlottenburg-Nord - damals noch Teil der Gustav-Adolf-Gemeinde - wuchs. Im Laufe der Jahre wurden das Gemeindehaus Toeplerstraße (1958), die Sühne-Christi-Kirche (1964) und das Gemeindezentrum Plötzensee (1970) errichtet. Seit 1962 ist Charlottenburg-Nord eine selbständige Kirchengemeinde.



Die Sühne-Christi-Kirche

Die Sühne-Christi-Kirche wurde am 11.10.1964 als erste Kirche der Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord eingeweiht. Die Pläne für den weißen, sechseckigen Bau mit dem separaten dreieckigen Turm stammen von dem Architekten Hansrudolf Plarre. Der Innenraum erhält seine Ausdruckskraft durch die schlichten Ziegelsteinwände und die aus weißem Stein gestalteten Elemente Altar, Kanzel, Taufstein und Triumphkreuz. Die Orgel wurde 1967 von der Berliner Orgelbaufirma Schuke gebaut. An der Außenwand zum Halemweg hin befindet sich die Skulptur "Kruzifix" von Adrian van der Ende.

Innenaufnahmen der Sühne-Christi-Kirche in unserer Foto-Galerie



Die Gedenkmauer

Die Tatsache, dass die Plötzenseer Gefängnisse auf dem Gebiet unserer Gemeinde liegen, bot einen wichtigen Hintergrund für Namensgebung und Gestaltung der Kirche. Die Kirche beginnt bereits auf dem Vorplatz mit der von Florian Breuer gestalteten Gedenkmauer. An ihr sind Namen versammelt, die zu Synonymen für das unermessliche Leiden geworden sind, das Menschen im 20. Jahrhundert einander zugefügt haben: "Plötzensee", "Auschwitz", "Hiroshima", "Mauern". Davor in den Boden gelassen Gottes Vorhaltung an Kain: "Horch, das Blut deines Bruders schreit zu mir von der Erde" (1. Mose 4,10) als Mahnung an alle, die vorübergehen. Die Gedenkmauer setzt sich in die Kirche hinein fort. So führt der Weg in den Gottesdienst an der aus roten Backsteinen gemauerten Sanduhr - Zeichen verrinnenden Lebens - und dann an dem Namen "Golgatha" vorbei, dem Namen der Stätte, wo Jesus Christus ans Kreuz geschlagen wurde.

Weitere Fotos der Gedenkmauer in unserer Foto-Galerie



Das Gemeindezentrum Nord

Im Gemeindezentrum (erbaut ab 1958) befinden sich das Gemeindebüro, Veranstaltungs- und Gruppenräume, eine Kindertagesstätte sowie Räume der Ev. Familienbildung und der Diakoniestation Charlottenburg.



Das Gemeindezentrum Plötzensee

Das Gemeindezentrum Plötzensee wurde in den Jahren 1968 bis 1970 für den Gemeindeteil Plötzensee der Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord gebaut (Entwurf: Dr.-Ing D. Grötzebach). Vorher trafen sich die Gemeindeglieder dieser Gegend "zwischen Laube und Hochhaus" in einem Bunker in Thathers Privatweg und später in der Helmuth-James-von-Moltke-Schule. Das Gebäudeensemble umfasst Kirche, Kindertagesstätte, Gemeinderäume, Jugendkeller, Wohnungen und Büros. Hier finden Gottesdienste, Seniorentreffen, Kurse und Konfirmationsunterricht statt. Man kann sich außerdem in verschiedenen Kreisen, im Chor oder im Jugend-Café treffen. Der Gottesdienstraum nimmt in seiner Architektur zum einen kirchenreformerische Ideen der sechziger Jahre auf. Die Bänke sind im Quadrat um den zentral stehenden Altar angeordnet-das Gottesdienstgeschehen soll "demokratisiert" werden. Zum anderen vermittelt er den Bezug zu den Plötzenseer Gefängnissen: Die fensterlose Betonkuppel erinnert an eine Zelle. Nur von oben fällt Licht auf den Altar: "Licht scheint in der Finsternis" (Joh. 1,5).

Innen- und Außenaufnahmen des Gemeindezentrums Plötzensee in unserer Foto-Galerie




Der "Plötzenseer Totentanz"

Der Kirchraum des Gemeindezentrums Plötzensee erfährt seine besondere Prägung durch den "Plötzenseer Totentanz" des Wiener Künstlers Alfred Hrdlicka. Auf 16 Tafeln von je 3,50m Höhe und 0,99m Breite greift Hrdlicka das Motiv der mittelalterlichen Totentänze auf und verweist damit auf die heutige Bedrohung der Menschen und Völker durch Gewalt, Macht und Willkür. Auf allen Tafeln sind zwei Rundfenster zu sehen sowie ein Balken mit Fleischerhaken - ein Hinweis auf den ehemaligen Hinrichtungsschuppen im nahegelegenen Gefängnis Plötzensee (heute Gedenkstätte). Die Tafeln heißen unter anderem: "Kain und Abel", "Ausrottung einer Minderheit", "Die Guillotine", "Massenhinrichtung in Plötzensee". Mit dem Bild "Emmaus-Abendmahl-Ostern" findet der Zyklus einen hoffnungsvollen Abschluss.


Das Leitbild unserer Gemeinde...

Wir - haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord - haben das folgende Leitbild entworfen. Wir entwerfen damit ein Bild, von dem wir uns bei unserer Arbeit und in unserem Leben als Kirchengemeinde leiten lassen wollen. Nicht den Zustand unserer Gemeinde beschreiben wir also, sondern Ziele und Aufgaben, auf die wir uns geeinigt haben und denen wir gemeinsam näher kommen wollen.



  1. Wir sind Teil der Kirche der Welt

    und fühlen uns als eine Gemeinde unter vielen auf der ganzen Erde.
    Mit der ganzen Christenheit wollen wir Zeugen der Menschenfreundlichkeit Gottes sein, die in Jesus Christus Gestalt annahm, und für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung wirken.
    Wir leben in Partnerschaft und Austausch mit anderen Religionen.



  2. Wir sind evangelische Kirche

    und sind geprägt durch ihre reformatorische Tradition. Wir wollen die Tradition lebendig halten, wo sie sinnvoll und gut ist, sie befragen, ob sie unserer Situation und den Herausforderungen unserer Zeit angemessen ist, und sie gegebenenfalls hinter uns lassen, wenn sie uns behindert.
    Wir hoffen und beten und arbeiten dafür, dass Trennungen zwischen Kirchen überwunden werden und alle Kirchen gemeinsam Gottes Liebe bezeugen und das Heilige Abendmahl feiern können. Wir freuen uns über die intensive Zusammenarbeit, die gemeinsamen Gottesdienste und Veranstaltungen mit unserer katholischen Nachbargemeinde und den Schwestern des Karmel-Klosters Maria Regina Martyrum und wollen diesen Weg weitergehen.



  3. Wir sind evangelische Gemeinde in Charlottenburg Nord
    - zwischen Laube, Hochhaus und Gedenkstätte.

    Wir arbeiten in unserem Stadtteil und für seine Menschen. Menschen verschiedener Generationen, Nationalitäten, Weltanschauungen und Lebenssituationen treffen sich zu Gottesdiensten und vielfältigen Gruppen und Veranstaltungen. Durch die Nähe zur Gedenkstätte Plötzensee fühlen wir uns in besonderer Weise der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, dem Widerstand gegen Terror und Gewalt und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtet. Deshalb wollen wir gemeinsam mit unseren katholischen Geschwistern zu Mitmenschlichkeit und Toleranz beitragen.



  4. Wir schaffen einen Lebens- und Lernort,

    an dem wir die Botschaft Gottes, wie wir sie im Alten und Neuen Testament finden, kennenlernen, verstehen, vermitteln und leben wollen.
    Dazu laden wir alle ein, die dabei mitmachen wollen.



  5. Wir setzen uns ein und handeln

    für Menschen, solange sie ihre Interessen nicht ausreichend selbst vertreten können.
    So engagieren wir uns für alte Menschen und Jugendliche, betreuen Kinder in unseren Kindertagesstätten, unterstützen Projekte in der sogenannten Dritten Welt und der Obdachlosenarbeit in unserem Kirchenkreis. Wir bemühen uns um Integration unterschiedlicher Menschen und Gruppen.



  6. Wir arbeiten in der Kirchengemeinde

    eigenverantwortlich in verschiedenen Bereichen, ohne dabei die anderen Bereiche und die ganze Gemeinde aus dem Blick zu verlieren.
    Wir entwickeln selbstständig die Konzepte für unsere Arbeitsbereiche und setzen diese um. Dabei nehmen wir die anderen wahr und ernst. Damit aus Eigenständigkeit keine Vereinzelung wird, bemühen wir uns um Koordination in den verschiedenen Gremien der Gemeinde.

Beschlossen am 5. April 2004


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